Schiffe sollen abgewrackt werden, doch wer achtet dabei auf Umwelt und Arbeitsrechte?
Das internationale Flottenwachstum wird in diesem Jahr knapp über drei Prozent liegen; deutlich weniger als zunächst angenommen. Denn die Reedereien haben reagiert: Bis Ende dieses Jahres werden Schiffe mit einer Gesamtkapazität von fast einer halben Million TEU verschrottet. Und selbst das wird nicht ausreichen, um die Überkapazitäten abzubauen: Für 2017 wird immer noch ein Überkapazitätswachstum von sechs Prozent erwartet. Südasiatische Schiffsabwrackstrände Die meisten der abgewrackten Schiffe, etwa 65 bis 75 Prozent, finden ihren Weg zu drei südasiatischen Schiffsfriedhöfen, wo Umweltaspekte aus Kostengründen keine Priorität haben: in Bangladesch bei Chittagong, in Indien bei Alang und in Pakistan bei Gadani. Hier ist die Nachfrage nach Schrott und Gebrauchtteilen am größten, gleichzeitig ist das Angebot an billigen Arbeitskräften noch größer. Es gibt keine Regierung, die viel Aufhebens um Umwelt und Arbeitnehmerrechte macht. Nirgendwo ist die Ausbeute für das Wrack so hoch wie hier. Aber warum greift niemand ein? Einhaltung: 2009 ordnete der Oberste Gerichtshof Bangladeschs zudem an, dass die Werften strenge Vorschriften einhalten müssen. 36 Werften wurden umgehend geschlossen. Allerdings war die Abbruchindustrie für Bangladesch nach Ansicht der Regierung zu wichtig. Sie deckt 20 % der Stahlversorgung des Landes und bietet über 100.000 Arbeitsplätze, so dass ein Jahr später alle Abbrucharbeiten wieder aufgenommen wurden. Nun kontrolliert niemand mehr die Einhaltung der Regeln. Europäische Verordnung Auch die europäische Verordnung zum Schiffsrecycling beendet die bizarren Zustände auf den südasiatischen Schrottplätzen nicht. Obwohl Schiffe unter europäischer Flagge gemäß dieser Verordnung hierzulande nicht abgewrackt werden dürfen, hat das Europaparlament vorerst dagegen gestimmt, da die Schifffahrtsbranche bereits jetzt einen zu schweren Stand hat. Gleichzeitig fahren europäische Reedereien ihre Schiffe unter einer nichteuropäischen Flagge: Nur ein Drittel der europäischen Schiffe fährt unter der eigenen europäischen Flagge. Die Zerstörungen an den Stränden Südasiens gehen ungehindert weiter. Maersk Line: Die zwanzig Prozent der Seeschiffe, die umweltschonend abgewrackt werden, wären eigentlich ein Grund zur Wertschätzung. Dies ist vor allem auf die dänische Reederei Maersk Line zurückzuführen, die sich bis vor kurzem noch an die Vorschriften hielt. Maersk Line hat gerade angekündigt, dass sie zu den südasiatischen Schrottplätzen zurückkehren möchte.