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Hafen von Rotterdam billiger als Hamburg

Durch; Pieter Lalkens

Veröffentlicht: Financieel Dagblad (FD), Montag, 28. März 2016, 20:30

Zeitungstitel: Rotterdamer Route nach Bayern günstiger als die Hamburger

Im Wettbewerb mit dem Hamburger Hafen um die Gunst süddeutscher Unternehmer hat Rotterdam einen Kostenvorteil. Hamburg hingegen hat einen anderen Pluspunkt: Es verkehren täglich viel mehr Züge von und nach Süddeutschland, was für Unternehmen eine größere Flexibilität bedeutet. Dies geht aus einer kürzlich veröffentlichten Analyse des renommierten britischen Forschungsunternehmens Drewry hervor.

Die Ergebnisse sind von Bedeutung, da der Rotterdamer Hafen in den kommenden Jahren mehr Verkehr aus dem wirtschaftlich wohlhabenden Süddeutschland anziehen möchte. In dieser Region ist das Wachstum höher als in Nordrhein-Westfalen, auf das sich Rotterdam traditionell konzentriert hat.

Niedrige "Ad-hoc"-Tarife

Auffällig in der Analyse sind die niedrigeren Schienentarife von Rotterdam aus. Viele Güterbahnbetreiber beklagen sich eigentlich über die hohen Nutzungsgebühren, die sie in den Niederlanden für das Schienennetz zahlen müssen. Drewry-Analyst Stijn Rubens vermutet daher, dass die "Ad-hoc"-Tarife – also nicht die für regelmäßige Schienentransporte über einen längeren Zeitraum vereinbarten Tarife – in Rotterdam niedriger sind.

„Vielleicht ist Rotterdam einfach hungriger“, so Rubens. Anders ausgedrückt: Rotterdam versucht, in einen Markt einzudringen, der traditionell von Hamburg dominiert wurde. Nicht umsonst empfing der Hafenbetrieb Rotterdam kürzlich etwa 150 Verlader und Spediteure aus Süddeutschland zu einem zweitägigen Besuch im Hafen. Obwohl das Treffen einen starken Marketingcharakter hatte, sei eine solche Veranstaltung laut Rubens wichtig. „Dadurch kann sich Rotterdam als Alternative zu Hamburg ins Gespräch bringen.“

40-Fuß-Container aus Shanghai

Drewry hat die Kosten für den See- und Schienentransport eines extra großen 40-Fuß-Containers von Shanghai zu den wichtigsten süddeutschen Städten, darunter Nürnberg und München, verglichen. Unterschiede in Zollgebühren, Inspektionskosten und steuerlichen Regelungen wurden nicht berücksichtigt. „Aber das macht pro Container nicht viel aus“, sagt Rubens.

Ein Unternehmer in München, der einen Container mit Waren aus Shanghai importieren möchte, zahlt über den Rotterdamer Hafen im Durchschnitt 1.874 US-Dollar pro Container an Transportkosten. Das sind 70 US-Dollar weniger als über Hamburg. Auch für Nürnberg und Stuttgart ist die Verbindung über Rotterdam günstiger als über Hamburg oder Antwerpen.

Antwerpen am schnellsten

Rotterdam ist sogar der günstigste aller Nord- und Südeuropäischen Häfen mit Verbindungen zur bayerischen Hauptstadt. Antwerpen ist mit etwas mehr als 2.000 US-Dollar pro Container noch teurer als Hamburg.

Allerdings ist Antwerpen mit 30 Tagen am schnellsten, gefolgt von Hamburg mit 32 Tagen, während Rotterdam 33 Tage benötigt. Demgegenüber bieten Hamburg und Antwerpen laut Drewry eine etwas schnellere Verbindung. Antwerpen profitiert von der schnellen Seeroute der Reederei-Allianz 2M. Doch laut Analyst Rubens ist Geschwindigkeit für die meisten Spediteure weniger wichtig: „Viele von ihnen achten hauptsächlich auf die Kosten.“

Mehr Züge

Die deutschen Unternehmer, die kürzlich Rotterdam besuchten, wiesen jedoch auf einen großen Vorteil Hamburgs hin. Von dort fahren täglich rund 20 Züge in den Süden, während es von Rotterdam aus nur sechs pro Woche sind. Auch Drewry betrachtet dies in seiner Analyse als einen entscheidenden Vorteil Hamburgs: „Das bietet Unternehmen viel mehr Flexibilität und Sicherheit.“

Darüber hinaus muss Rotterdam nicht-finanzielle Hürden überwinden. „Deutsche Unternehmen arbeiten doch am liebsten mit dem deutschen Zoll“, nennt ein Vertreter einer deutschen Interessensorganisation als Beispiel. Rubens ergänzt: „Die deutsche Automobilindustrie transportiert seit Langem über Hamburg. Es braucht Zeit, um das zu ändern.“

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