Große Unruhe durch Reederei-Kooperationen: Seefrachtraten und Wartezeiten deutlich gestiegen
Der globale Containerschiffsverkehr erlebt derzeit die turbulenteste Phase der letzten fünfzig Jahre. Aufgrund des geringer als erwarteten Wachstums des Welthandels und der daraus resultierenden Überkapazitäten bei Containerschiffen erreichten die Seefrachtraten im vergangenen Jahr einen historischen Tiefstand. Alle Reedereien meldeten tiefrote Zahlen. Nun hat sich die Lage schlagartig dramatisch verändert und es kommt zu Unruhen. Fusionen und Übernahmen Die Folgen waren im vergangenen Jahr drastisch: Südkoreas größte Reederei Hanjin ging pleite und zahlreiche Fusionen und Übernahmen wurden angestoßen. Cosco und China Shipping – beide im Besitz des chinesischen Staates – fusionierten, die französische CMA CMG übernahm die singapurische NOL/APL, die drei japanischen Reedereien MOL, NYK und K-Line fusionierten und Hapag Lloyd und UASC stehen kurz vor dem Abschluss ihrer Fusion. Neue Allianzen Die entstandenen Verluste zwangen die Reedereien zu diesen Fusionen. So verzeichnete NYK im ersten Halbjahr 2016 einen Verlust von über zwei Milliarden US-Dollar, MOL eineinhalb Milliarden und K-Line fast 500 Millionen US-Dollar. Um die Kosten weiter zu senken, arbeiten die Reedereien seit dem 1. April 2017 intensiver zusammen, indem sie den Laderaum der anderen Reedereien stärker nutzen. Durch die Übernahmen und Fusionen sind bestehende Allianzen verschwunden. Die 2M-Allianz (Maersk, MSC) besteht weiterhin und zum 1. April 2014 wurden zwei neue Allianzen gegründet: THE Alliance (Hapag Lloyd/ UASC, NYK/ MOL/ K-Line, Yang Ming) und Ocean Alliance (Evergreen, Cosco, CMA CGM, OOCL). Fahrpläne Die drei Allianzen haben außerdem neue Fahrpläne ab dem 1. April 2017 bekannt gegeben. Die Bildung neuer Allianzen hat zu erheblichen Verwerfungen geführt. Die Containerkapazität ist alles andere als stabil und schwankt enorm. Durch die Insolvenz von Hanjin kam es nicht nur zu einer Kapazitätsreduzierung auf der Europa-Asien-Route, sondern die Unternehmen achten jetzt auch genauer darauf, bei welcher Reederei sie Containerfracht unterbringen, um das Risiko zu verringern, dass die Fracht nicht ankommt. Kapazitätsprobleme Die Unruhen in der Containerschifffahrt haben in den letzten Wochen zu plötzlichen Kapazitätsproblemen geführt. Exporte aus den Niederlanden (Europa-Asien-Route) waren mit enormen Preiserhöhungen und Wartezeiten von mehr als sechs Wochen konfrontiert. Die Unternehmen sind bereit, große Anstrengungen zu unternehmen, um einen Platz auf dem Schiff zu bekommen. Auch Importe aus Asien sind von dieser Problematik betroffen, wenngleich der Druck hier geringer ist. Illegale Preisabsprachen Obwohl die niederländischen Warenexporte im Februar 2017 laut verschiedenen Forschungsinstituten um acht Prozent und damit den stärksten Anstieg seit fast sechs Jahren verzeichneten, ist das Exportwachstum kein wirklicher Grund für die Kapazitäts- und Preisprobleme. Das US-Justizministerium vermutet illegale Preisabsprachen zwischen den größten Reedereien und hat mehrere Reedereien, darunter Maersk und Hapag Lloyd, vorgeladen und zur Herausgabe von Unterlagen aufgefordert. Bilanz: Die Leidtragenden sind jetzt in jedem Fall die niederländischen Export- und Importunternehmen. Vor einem Jahr konnte man einen Container für 200 US-Dollar von Rotterdam nach Shanghai verschifft werden, mittlerweile haben sich die Preise mehr als verzehnfacht. Die Reedereien argumentieren allerdings, dass die hohen Seefrachtraten zwingend notwendig seien. Letztendlich wird das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage wiederhergestellt sein. Wie lange dies dauern wird, lässt sich nicht vorhersagen. Das US-Justizministerium ist vorerst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.