Die vier Gründe für die nie dagewesenen hohen Seefrachtraten
In den letzten Monaten sind die Importpreise für Seefrachttransporte auf den Routen von China nach Europa auf das höchste Niveau aller Zeiten explodiert. The Freight Hero analysiert die Ursachen und fragt sich, ob die Reedereien verantwortungsvoll mit der entstandenen Situation umgehen.
Absurde Situation
Der Dezember 2020 war bereits ein außergewöhnlicher Monat in der internationalen Transportbranche. Und was alle bereits erwartet hatten, bestätigte sich im ersten Monat des Jahres 2021: Die Seefrachtraten für Container von China nach Europa stiegen weiter an. Viele Handelsunternehmen in den Niederlanden haben beschlossen, ihre geplanten Importe aus Asien zu verschieben – zumindest bis nach den Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahrsfest. Doch ist die Erwartung gerechtfertigt, dass die Seefrachtraten nach dem chinesischen Neujahr schnell sinken werden? Hier sind die vier Hauptgründe für die derzeit beispiellos hohen Seefrachttarife von China in die Niederlande.
Grund 1: Die Pandemie – von geringer Auslastung zur Wiederherstellung der Lagerbestände
Vor über einem Jahr wurden Europa und die USA mit den Folgen des Ausbruchs des Coronavirus in China konfrontiert. Geschlossene Fabriken und Produktionsstopps führten dazu, dass Hunderte von Abfahrten zwangsläufig abgesagt wurden. Die niederländische Industrie und der Einzelhandel hatten mit enormen Einschränkungen zu kämpfen. Gleichzeitig verließen die wenigen fahrenden Schiffe die Häfen mit deutlich weniger Fracht, da in Europa bereits Waren für den Export nach China bereitstanden. Die Auslastung der Schiffe wurde auf nur 50 % geschätzt. Die Reedereien machten keine Gewinne mehr, und die Seefrachtraten fielen um etwa 30 %.
Das chinesische Neujahrsfest 2020 wurde verlängert, und die meisten Fabriken blieben auch danach noch geschlossen. Die wenigen Betriebe, die den Betrieb wieder aufnahmen, arbeiteten nur mit halber Kapazität. Erst im Laufe des März 2020 wurde die Produktion wieder voll hochgefahren, um die entstandenen Engpässe schnell zu beseitigen. Während Europa nun mit dem eigenen Corona-Ausbruch kämpfte, blieb das Verbrauchervertrauen stabil, und der Online-Handel boomte – auch ältere Generationen entdeckten zunehmend den E-Commerce. Der Einzelhandel stockte seine Lagerbestände auf, die Nachfrage nach Containertransporten stieg sprunghaft an und fiel mit der regulären Hochsaison im dritten Quartal zusammen. Die zuvor gesunkenen Seefrachtraten stiegen innerhalb kurzer Zeit um fast 150 %, und einige stillgelegte Schiffe wurden wieder in Betrieb genommen.
Grund 2: Mangel an Containern
Da die höchsten Seefrachtraten auf den Routen in die USA erzielt werden konnten, reservierten asiatische Spediteure die meisten verfügbaren Container für diese Strecke. Gleichzeitig war der Export von Containern aus den USA nach China stark eingeschränkt, da die USA besonders hart von der Pandemie betroffen waren. Viele Fabriken und Lagerhäuser waren entweder geschlossen oder arbeiteten nur eingeschränkt, wodurch leere Container verspätet in China eintrafen. Bereits kurz nach der Herbstsaison zeichnete sich ein massiver Containerengpass in China ab. Obwohl das chinesische Handelsministerium im Dezember ankündigte, die Produktion neuer Seecontainer stark zu erhöhen, bleibt der Mangel weiterhin enorm.
Grund 3: Chinesisches Neujahr 2021 fällt spät
Da das chinesische Neujahrsfest 2021 erst am 12. Februar stattfindet, läuft die Produktion in China auf Hochtouren. Die Nachfrage nach Containertransporten erreicht eine Woche vor Beginn der Feiertage ein extrem hohes Niveau.
Grund 4: Nutzen Reedereien die Situation aus?
Die extrem hohen Seefrachtraten sorgen für enorme Frustration bei niederländischen Verladern. Obwohl der Druck auf die Reedereien zunimmt, die Frachtkapazitäten zu erweitern, geschieht das Gegenteil: Einige große Reedereien haben bereits einen Frachtestopp verhängt. Gleichzeitig werden bereits bestätigte Transporte ohne Vorwarnung storniert und anschließend zu höheren Tarifen an zahlungskräftigere Kunden weiterverkauft.
Es lässt sich kaum noch der Eindruck vermeiden, dass die Reedereien die Situation zu ihrem Vorteil ausnutzen – eine Situation, die sie letztlich selbst verursacht haben.